Aktuell:
„Diskussionsgrundlage“
~ an Bildungsbewegungen weltweit ~
Einleitung:
Das folgende Papier wurde ende November 2009 während eines internationalen Treffens in München, an dem AktivistInnen der Bildungsbewegung aus Österreich, Deutschland und Spanien teilnahmen, verfasst.
Wir bitten regionale Gruppierungen europaweit und in anderen Teilen der Welt diesen Text zu diskutieren und ein Feedback [an: united4education@riseup.net] zu geben. Die Antworten werden im Forum auf http://emancipating-education-for-all.org veröffentlicht und während des European Education Congress in Bochum im Juni 2010, unter einer hoffentlich größtmöglichen Beteiligung eurerseits, diskutiert. Es ist wesentlich, ein starkes Netzwerk zwischen den einzelnen Bildungsbewegungen zu schaffen und in einem nächsten Schritt sich zu einer globalen Bewegung zu vereinen.
Unser Ziel ist es, Diskussionen über das Konzept von Bildung loszutreten und soviel Input wie möglich von Gruppierungen zu sammeln sowie zu versuchen, eine Erklärung zu formulieren, welche die Einigkeit und Vielfalt im Kampf um freie und emanzipatorische Bildung reflektiert.
Vision:
Um eine Vision zu formulieren ist es notwendig sich zu fragen, welche Funktionen ein Bildungssystem innerhalb der Gesellschaft haben soll.
Darüber hinaus soll eine Bildungsbewegung den Begriff Bildung selbst definieren und ihre eigene Definition in einen gesellschaftlichen Diskurs über Bildung einbringen. Das Folgende beschreibt unser Grundkonzept von freier und emanzipatorischer Bildung.
Wir glauben, dass Bildung, im Gegensatz zu Ausbildung, Menschen dazu befähigen muss kritisch zu denken. Das heißt, sie muss vermitteln Interessenkonflikte zu verstehen und diese zu hinterfragen, sowie darüber hinaus die eigene Rolle in der Gesellschaft als Ganzes zu reflektieren und dazu ermutigen, sie aktiv zu gestalten. Auf diese Weise ist Bildung ein Mittel zur Emanzipation.
Ausbildung ist hingegen das bloße Erlernen von Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt angeboten werden.
Freie und emanzipatorische Bildung, die jedem zugänglich ist, ist eine Voraussetzung für jedwede sich selbst als demokratisch erachtende Gesellschaft, da kritische Bildung als Katalysator für politische Partizipation gilt.
Das Bildungssystem – ein „Kampf der Interessen“:
Wir verstehen das Bildungssystem als Plattform für verschiedene Interessen, die sich zum Teil voneinander unterscheiden. Einige davon sind wirtschaftliche Interessen, Staatsinteressen und Interessen der institutionalisierten Religionen.
All diese drei organisierten Interessensfelder werden mit dem Interesse, Menschen selbst darüber entscheiden zu lassen, welche Richtung sie ihrem Leben geben wollen, strukturell konfrontiert. Im Gegensatz zu den anderen ist dieses Interesse noch nicht organisiert. Emanzipation ermöglicht es Menschen, ihr Leben selbstbestimmt zu führen. Es kommt auf AktivistInnen der kritischen Bildungsbewegung an, sich zu organisieren und die emanzipatorischen Interessen innerhalb der Strukturen der bestehenden Interessensfelder zu stärken.
Die derzeit dominierenden Interessen – vor allem jene von wirtschaftlicher Natur – wirken weltweit. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass wir auf lange Sicht nur dann erfolgreich sein werden, wenn wir uns selbst in unserem Kampf global vernetzen und vereinen. Wir erklären unsere Solidarität all jenen, die weltweit für eine freie und emanzipatorische Bildung kämpfen.
- Aktivist_innen der Bildungsbewegung aus Österreich, Deutschland und Spanien -